LousyLenses-LoveLetter

Alle Trottellummen sind schooon da. Singen da oben längst alle durcheinander.

Hier hört, aber sieht man sie grad nicht, denn die tieffliegendste im Schwarm hat mich rücklings mitgenommen. So war mein Haupt im Schwarm und meine Beine in den Böen – mein lieber Schwan, nein Schwarm!

So ging es schwungvoll über einen Schwarm balzender Basstölpel hinweg, und meine helgoländische WirtsTrottellumme ächzte mächtig unter ihrer Last. Denn ich hatte einige Millimeter im Gepäck. Um mir einzelne herauszufischen. Von den Tölpelchen.

Doch sinnlich verlieren ob dieses anmutigen Tölpelchens hier unter uns wollte ich mich dann doch nicht. Allzu sehr trauen sollte man den Trottellummen nämlich nicht, so hatte man sich am Boden noch erzählt. Denn: Warum sollten sie es mit Fluggästen nicht wie mit ihren Jungen tun? Die kreischen sie einfach in die Tiefe. Wenn sie glauben, dass es Zeit wird. Und unten wartet ja nun mal nur... – ja, Watt denn nu?

Doch die Tiefe war es nicht allein: Nicht weniger stand zu befürchten, dass meine WirtsLumme mich höchst oben auf der Langen Anna absetzt. Einfach so und dann vergisst. Denn – warum heißen diese Tiere nur so komisch? Trottel? Tölpel?

Nomen est omen etwa? Nein, dafür unterhalten sie alle sich zu nett. Wenn sie mit den Schnäbeln klappern, tun sich die Götter am Gelände gütlich. Und heute, nach glücklicher Rückkunft, denkt es mich zudem: Die Fotografie wars. Sie in persona, sie hat mich gerettet! Ich musste meiner weißen Pilotin zuvor für den luftigen Charter nur flugs zwei Fotografien versprechen.

Aber nur wenn die sie dann gnädig stimmen sollten, wollte sie mich leben lassen. Nur dann wollte sie die Werke oben auf der Anna ausdrucken und ihren quietschenden Jungen zeigen. Mit denen und einem fetten Vetter teilt sie dort nämlich eine RotfelsNische. Ein wohlgesuchtes Plätzchen für alle. Mit beschaulichem Blick auf die biederen Bräuche in der nachbargärtlichen Vogelschaft:

Manchmal nun nehmen Trottellummen Fotografen mit. Sie begeistern sie mit ihren drei Doppelkonsonanten, darauf fahren alle Fotografen sowas von ab. Man glaubt es nicht, sie lummern um die Lummen rum (davon haben die ihren Namen) und lassen sich so aufs Gefieder locken. Erst oben, das ist List wie Crux, da nennen die Lummen dann ihren Preis: Mach Bilder, die dich retten. Keine anderen.

Unten ist das Watt gepflastert. Mit Gescheiterten, denn wers nicht kann, der fliegt. Auch Vögel brauchen ja gute Bilder. Mit diesen sollen die Küklein nämlich auch von den Flugkünsten ihrer FelsnischenNachbarn lernen. „Guck mal, die Tölpel können sowas auch“, wollen die LummenErpel dann krächzen und finden das didaktisch gut. Während sie die Drucke mit den Schwingen schwingen.

Und wenn die späte Stunde anhebt, sich zu bläuen, dürfen, nein sollen auch die Kleinen zum ersten Mal abends ausgehen. Also: miteinander vom Felsenrot herunterhüpfen. In die gebläuten Lüfte – googeln wir mal ,Lummensprung’.

Nun, bisweilen mag ja selbst ich schon mal Tiefergründiges, aber als LummenKüken wär ich sicher Stubenhocker. Ich ließ die Briese Briese sein und igelte mich nischens ein. Und doch vergess ich nunmehr eines nicht – nämlich was mich meine WirtsLumme hoch oben in den Lüften lehrte: Bilder können retten! Die richtigen Bilder jedenfalls.

Suchen wir sie, die Sucher dafür haben wir. Objektiv. Und werden wieder Küken, lassen uns fallen. Fotografisch auch mal ins ,Na Watt denn nu’.

Für Frischlinge wie Avancierte hält das Schicksal dafür uuuunglaublich nette Kurse bereit. Flugstunden ins Beschauliche - oder ins noch Tiefere, schauen Sie selbst...

http://timmfotografien.de/pages/workshops/

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Bilder und Texte: Martin Timm, 2017,