Wir brauchen eine Auszeit

Ich glaub, die ganze Welt braucht sowas. Innehalten, Zeit anhalten. Es pikst am Herzen, es pocht am Tor von innen – da will was gesehen sein, will mitgestalten, der eigenen Gestalt auf der Spur, dem ,Wer-bin-ich‘ mit Suchtrupp tief ins Dunkle:

Alles Denken und Gerede

Wenn all das im Schlachtfeld stecken bleibt, wenn das bedrohte Gute die Drohgebärde des Diabolo samt Rhetorik 1:1 übernimmt und dabei alle Kammern und Kapillärchen fest verschließt – woher käme Frieden, wenn den führenden Figuren fürs Große die Größe fehlt?

Wir verschicken schlimmste schwere Geräte, erfinden dafür auch noch den "Ringtausch", damit es andere sind, die damit das schlimmste Schwere tun. Und damit wir uns unbeteiligt geben können. Zumindest nach außen.

Ich wusste nicht mal, dass doch noch so viel Reichtum da gewesen ist, die Welt zu ernähren, den wir jetzt aber dafür ausgeben, sie aufs Spiel zu setzen.

Das berührt, beschäftigt und benebelt...

...nicht nur mich, sondern Kultur en gros. Unser aller Kultiviertsein.

Mit jedem Kunstwerk, denk ich fast, mit jedem Foto, jedem Lied und jedem Kartenspiel besinnen wir uns um Längen herzlicher auf das, was stimmig ist und Sinn macht.

So ist dieser peinlich unscheinbare Pas de trois, den ich Euch jetzt zeige, die Frucht eines langen Prozesses aus trockener Literatur, umwerfenden Fragen, apokalyptischen Versagungen, inneren Zerwürfnissen, einem lächelnden, kleinen Öfchen neben einer langen, geleerten Wäscheleine und schließlich einer hemmungslos intelligenten Meisterleistung meiner Wenigkeit (na gut, kurzes Schmunzeln im Dunkeln):

Schön? Naja.

Dies hier hat gemüffelt, mich aber mit mir selbst versöhnt, hat auch Spaß gemacht und: mich heute auf neue Weise nachdenklich.

Wuselt das Dunkle, der Despot oder Diabolo, wirklich immer nur da draußen rum? Weit weg? Hinter Schattenschranken, die wir in uns selber schließen?

Woran soll ich glauben,...

...wenn ich mir selbst nicht in die Augen seh, während ich mit Fotografie, Musik und allen Künsten der Welt im Sinn mal einen Großen aus dem großen Russland frage, wie denn diese „Schönheit“ wiederzufinden sei? Diese „Schönheit“, von der er, dieser große Russe, Dostojewski, den ich so schwer, aber so wunderbar nachdenklich finde, ja sagt, nur sie sei es, die „die Welt retten“ könne?

Ob Schönheit, ob Diabolo – suchen wir endlich woanders als hinter Schattenschranken!

Wie geht eigentlich Suchen?

Bilder nicht erfinden. Sondern nur die Bilder machen, die sich finden lassen. Räume dafür öffnen, Kammern und Kapillaren bewegen. Weiten. Innehalten vor Wunden. Pflegen. Das für Bilder, die von Liebe leben und hoffen lassen. Wie hell oder düster auch immer sie sich zunächst zu geben scheinen.

Eine Fotografie finden, in der – vielleicht noch schläfrig – sich das Schöne regt. Das allein ist es noch nicht, aber: ein erster Schritt in eine sicher bessere Richtung.

Kunst, wer immer du bist: Bring uns zusammen alle, auch die hinter den Schattenschranken. Zum Nachdenklichsein, zum Fühlen und Intuieren.

Kunst, komm rüber, die Menschheit hats mit dem Herzen!